Karate und seine Entstehungsgeschichte - Teil 1

Karatekämpfer meditieren vor dem Training.
Karateka im Seiza - Quelle: Photo by Thao Le Hoang on Unsplash

Der Ursprung

Die Kampfkunst Karate, wie wir sie heute kennen, wird auch modernes Karate genannt. Obwohl sie sich im Laufe der Jahrhunderte auf der Insel Okinawa entwickelte, liegt ihr Ursprung aus historischer Sicht doch nicht in Japan. In Folge des Kulturaustausches mit China gelangte das chinesische Kung-Fu, vorwiegend durch Chinesen der Oberschicht überliefert, auf die Insel Okinawa. Die verschiedenen Formen und Stile des Kung-Fu wurden zu der Zeit mit dem Sammelbegriff „Kempo“ bezeichnet, was mit „Faustlehre“ oder „Fausttechniken“ zu übersetzen ist. „Kempo“ ist in diesem Fall die japanische Aussprache der chinesischen Schriftzeichen Quanfa 拳法. Der historische Beginn des japanischen Karate beginnt im Zeitraum zwischen 1733 und 1815.

  

Der auf Okinawa lebende Sakugawa war ein Schüler und Überlieferer des To-de 唐手. Diese Kampfkunst hatte er ebenfalls in China erlernt und bei seiner Rückkehr überliefert. Das erste Schriftzeichen „to“ besitzt im Japanischen die alternative Leseart „kara“. Allerdings stand das Zeichen „kara“ anfangs noch nicht für die heute uns bekannte Bedeutung, sondern für die Herkunft dieser Kampfkunst. Das Zeichen 唐 steht in diesem Fall für die chinesische Tang-Dynastie 唐代 (Chinesisch tangdai; 618 – 907) und damit stellvertretend für China. Das zweite Zeichen „de“ oder „te“ 手 bedeutet Hand/Hände. Somit ist die Kampfkunst und chinesische Ursprungsform des Karate mit „die Kunst der Hände aus China“ zu übersetzen.

Kara-Te wird zu Karate

Im Jahr 1906 schließlich entschied sich Karatemeister Chomo Hanagi die traditionelle Schreibweise abzuändern. Er tauschte das erste Zeichen 唐 („kara“ im Japanischen, „tang“ im Chinesischen) durch das Zeichen 空  aus, das in der japanischen Sprache ebenfalls „kara“ gelesen wird. Seine Bedeutung heißt allerdings „leer“. 1936 diskutierten die großen Karatemeister Okinawas Yabu, Kiyamu, Hanagi, Motobu und Miyagi das Tang-Symbol tiefgehender und entschieden sich gemeinsam für die Schreibweise „kara“, das die „Leere“ beschreibt.

 

Die Begründung dafür war, dass die „Leere“ auch in der Zen-Philosophie eine große Rolle spielt. Außerdem galt das Karate seiner Zeit für soweit selbstständig entwickelt, dass es als japanische Kriegskunst bezeichnet werden durfte. Die alte Schreibweise, die auf China als Herkunftsort verwies, war damit nicht mehr gültig. Heute übersetzen viele Karate-Do auch mit den Worten „Der Weg (Do) der leeren Hand“, was den vorzugsweise waffenlosen Kampf beschreibt. Die Kampfkunst unter Verwendung von Waffen wie Tonfa, Bo und anderen wird Kobudo genannt.

Die vier großen Karatestilarten

1922 ging Gichin Funakoshi nach Japan, um eine Karatevorführung zu geben. Die japanischen Kriegskünste waren zu jener Zeit sehr populär und auch die Kampfkunst Judo erfreute sich großer Beliebtheit. Nach der Vorführung blieb Funakoshi auf vielfältigen Wunsch in Japan und fing an, Karate zu unterrichten. Weitere Großmeister Okinawas folgten und stellten „ihr“ Karate vor, womit verschiedene Stilarten entstanden.

 

Die vier größten Karatestilarten sind Shito-Ryu, Goju-Ryu, Wado-Ryu und Shotokan. Kenwa Mabuni führte das Shito-Ryu ein, das eine Kombination aus den zwei Stilen Shorin-Ryu und Shorei-Ryu darstellt. Goju-Ryu lässt in seinen Techniken am deutlichsten den Ursprung im chinesischen Boxen erkennen. Chojun Miyagi etablierte diesen Stil im Jahr 1930. Hironori Ohtsuka kombinierte den bei Funakoshi gelernten Karatestil mit Ausweichbewegungen aus dem Jujutsu und gründete den Stil Wado-Ryu. Des Weiteren sollten die Bewegungen körperfreundlicher sein. Gichin Funakoshi ist der Begründer des Shotokan-Stils und Vater des modernen Karate.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0