Karate und seine Entstehungsgeschichte - Teil 2

Karatekämpfer trainieren die Kata Empi.
Karateka zeigen die Kata Empi - Quelle: Photo by Thao Le Hoang on Unsplash

Die drei Säulen des Trainings

In den 1930er Jahren bestand das Training des Shotkan-Karate unter Gichin Funakoshi hauptsächlich aus Kata. Kata bedeutet im Japanischen Form und ist eine stilisierte Art eines Kampfes gegen mehrere imaginäre Gegner. Sie dient in erster Linie der Technikschulung und ist eine Methode, die die Künste von Generation zu Generation überliefert. Sie ist geeignet, die Beherrschung der Technik und Aspekte der inneren Haltung zu schulen: Atmung, Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit, Entschlusskraft, Kampfgeist und Rhythmus.

 

Jede Kata läuft nach einem bestimmten Schrittdiagramm ab. Sie beginnt und endet an demselben Punkt. Des Weiteren beginnt jede Kata mit einer Abwehrtechnik, was den defensiven Charakter dieser Kampfkunst betont. Denn Karate dient nicht dem Angriff, sondern folgt das Ziel, den Charakter des Ausübenden zu vervollkommnen. Damit werden Sieg und Niederlage bedeutungslos. Außerdem muss jede Technik und Bewegung der Kata in ihrer Bedeutung klar verstanden sein.

 

Erst später folgten die zwei anderen Säulen Kihon (grundschulmäßige, exakte Techniken) und Kumite (Kampf). Die damit verbundenen Partnerübungen entwickelte Funakoshi auf Anraten des Judo-Begründers Jigoro Kano. Im Laufe der Zeit entstand damit allerdings auch ein Wettkampfcharakter, was eigentlich nicht den Vorstellungen Funakoshis entsprach. Ihm zufolge würde der Geist der Kampfkunst auf diese Weise verlorengehen. 1957 schließlich fanden die ersten Freikampfmeisterschaften statt.

Kata als Essenz des Karate

Viele Karatemeister sehen im Wettkampfsport eine Gefahr für das Karate. Mit dem Streben in Wettkämpfen gewinnen zu wollen, geht das eigentliche Wesen des Karate verloren. Anders als es die westliche Leistungsgesellschaft verlangt, dient die Kampfkunst nicht der Produktion messbarer Leistungen. Die Übung ist nach innen gerichtet und zielt auf die Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit. Diese Auffassung lässt sich ohne Kata nicht verwirklichen und wird deshalb von vielen Meistern als Kernstück des Karate angesehen. Denn jeder der Kumite trainiert, um andere im Wettkampf zu besiegen, geht den leichteren Weg. Die wahre und viel wertvollere Herausforderung liegt darin, sich selbst zu besiegen.

 

„Karate-Do ist das richtige Verständnis und der richtige Gebrauch von Karate“ – Gichin Funakoshi

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