Capoeira - Kampf oder Tanz

Capoeira Schüler macht einen Sprungtritt nach vorne.
Capoeirista trainiert - Quelle: Pixbay - https://pixabay.com/de/jung-sport-aktion-capoeira-rosario-3197021/

Capoeira - Ein Exot

Capoeira gehört für zahlreiche Menschen eher zu den exotischen Kampfkünsten und ist weniger bekannt als die Klassiker wie Karate oder Muay Thai. Viele kennen es noch nicht einmal oder sind sich unsicher, ob es sich dabei um eine Kampfkunst oder eher eine Art Tanz handelt. Daher beleuchtet dieser Artikel die Kampfkunst Capoeira genauer und erläutert seine Herkunft und Entwicklung.

Die Entstehungsgeschichte

Capoeira hat seinen Ursprung in Brasilien und entstand aus einer Mischung verschiedenster afrikanischer Tänze und Kulte. Aufzeichnungen zufolge existiert Capoeria in frühen Formen seit dem 18. Jahrhundert. Verschiedene Legenden erzählen von Kämpfen zwischen Sklaven und Sklavenhaltern in den Quilombos, Niederlassungen geflohener schwarzer Sklaven in Brasilien zur Zeit der portugiesischen Herrschaft. Es heißt, dass sich die Capoeira in diesen Niederlassungen stark weiterentwickelte und dass die Sklaven sie auch im Kampf gegen die mit Schusswaffen bewaffneten Sklavenjäger einsetzten.

 

Die nächste Entwicklungsstufe der Capoeira ist vielmehr als eine Art Straßenkampftechnik zu verstehen. So taten sich Capoeiristas in Straßenbanden zusammen, die sich Maltas nannten und ganze Straßenviertel beherrschten. Sie kämpften gegen andere Banden und Obrigkeitskräfte, was mit typischen Bandenkämpfen vergleichbar ist. Diese Form der brasilianischen Kampfkunst war besonders in den Hafenstädten Rio de Janeiro, Recife und Salvador da Bahia verbreitet, die als Ursprungsorte der Capoeira gelten. Sie ist damit eine urbane Erscheinung.

 

Heutzutage unterscheidet man zwischen zwei Hauptrichtungen. Es existiertet die „alte“ Capoeria Angola und die „moderne“ Capoeira Regional. Im Laufe der Zeit verschmolzen die afrikanischen Elemente im Capoeira Regional mit zusätzlichen Einflüssen anderer Kampfkünste wie Ringen, Jiu Jitsu und Wushu. Gegen 1970 entwickelte sich die heute charakteristische Akrobatik. Damit wurden Bewegungen wir gedrehte Sprünge oder Salti zum festen Bestandteil des Bewegungsrepertoires.

Capoeira Schüler macht einen Salto rückwärts.
Capoeirista übt den Back Flip - Quelle: Pixabay - https://pixabay.com/de/tanz-capoeira-favela-leistung-1182586/

Kampf oder Tanz

Inhaltlich untergliedert sich Capoeira in die drei Ebenen Kampf, Musik und „Roda“. „Roda“ kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet Kreis, die den gesellschaftlichen Rahmen repräsentiert, in dem der Kampf stattfindet. Dieser Kreis besteht aus anderen Capoeiristen und Musikern. Im Innern des Kreises befinden sich immer zwei Capoeiristen, die „kämpfen“, Im Capoeira wird aber eher der Begriff „Spiel“ als „Kampf“ verwendet. Das Ziel ist eher ein Kräftemessen miteinander als den anderen brutal zu besiegen. Die Kampftechniken sind sehr flexibel und umfassen zahlreiche Drehtritte, eingesprungen Tritte und Akrobatik. Traditionell spielen die anderen Teilnehmer Musik als Begleitung in einem Endlos-Rhythmus in verschiedenen Variationen. Dazu werden häufig noch Lieder aus der Zeit der Sklaverei gesungen.

Malícia – Die Seele des Capoeira

Das zentrale Element der Capoeria ist die Malícia. Sie ist eine Kampftechnik, die sich von den anderen Kampfkünsten deutlich unterscheidet. Malícia kann als „Verschlagenheit oder Bösartigkeit“ übersetzt werden, meint im Brasilianischen allerdings eine positive Eigenschaft. Damit trifft der Begriff der „Schläue“ oder „Kriegslist“ eher zu. In Liedern über die Malícia wird sie als Schlange beschrieben, die in einem Loch auf Beute wartet und sich auf ihren Angriff vorbereitet. Im offenen Konflikt wäre die Schlange vielleicht unterlegen.

 

Im Kampf geht es darum, dem Gegner einen falschen Eindruck zu vermitteln und Unterlegenheit zu demonstrieren, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Diese Technik wird nicht direkt gelehrt, sondern spielerisch ausprobiert. Der Ausgang eines jeden Kampfes ist damit ungewiss und nicht Technik und Kondition sind entscheidend, sondern der taktische Überblick über das Spiel. Während die Malícia noch ein fester Bestandteil der Capoeira Angola ist, tritt sie in der modernen Form der Capoeira Regional häufig in den Hintergrund.

Capoeira in Action

Durch die Form des „Spiels“, die musikalische Begleitung und oft kontaktlosen Demonstrationen entsteht für Außenstehende oft der Eindruck eines Tanzes. Die Bedeutung der einzelnen Elemente ist jedoch viel tiefgreifender und sind Teil einer effektiven Kampfkunst. Es heißt auch, dass die Sklaven während der portugiesischen Herrschaft ihr Training der Kampfkunst im Tanz versteckten, um so nicht aufzufallen.

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