Chinesischer Stierkampf und Kung-Fu

Ein künstlerisches Bild eines spanischen Stierkämpfers.
Bild eines spanischen Stierkämpfer gegen einen Stier - Quelle: https://pixabay.com/de/kunst-collage-gestaltung-bunt-2320171/

"Mit" dem Stier, statt gegen ihn

Jeder von uns kennt den spanischen Stierkampf (Spanisch: Toreo). Mit Kampfkunst oder Kampfsport hat diese Auseinandersetzung mit dem Stier sicher wenig zu tun und wird von vielen als Tierquälerei angesehen. Denn die Auseinandersetzung Mensch gegen Tier ist zwar Teil der spanischen Kultur, dient aber in erster Linie dem Entertainment und endet mit dem Tot des Stier. Deswegen sind Stierkämpfe unter Aspekten des Tierschutzes umstritten.

 

Ende des vergangenen Jahres machte eine besondere Form des Stierkampfes seine Runde in den Medien. Die Rede ist vom chinesischen Stierkampf. Anders als beim spanischen Stierkampf kämpft der Stierkämpfer mit seinen bloßen Händen gegen das Tier. Er versucht dieses niederzuringen und nicht zu töten. Sein einziges Werkzeug ist die chinesische Kampfkunst Kung-Fu.

Stierkämpfer REN Ruzhi

REN Ruzhi ist ein solcher Stierkämpfer und Schüler von Meister HAN Haihua. Meister HAN ist selbst ein erfahrener chinesischer Stierkämpfer und leitet heute eine Kung-Fu-Schule. Soweit bekannt sei er auch der einzige Lehrer, der Schüler zu Stierkämpfern ausbildet. Für den Stierkampfveteranen sind drei Aspekte wichtig und Voraussetzung, um ein solch außergewöhnlicher Athlet zu werden.

  1. Der Schüler muss Kung-Fu beherrschen und meistern. Dazu gehören Elemente wie Ausweichbewegungen, Sprünge sowie Schlag- Tritt- und Grifftechniken. Außerdem sind schnelle Reflexe und Bewegungen essentiell.

  1. Der Athlet muss beweglich wie ein Ringer sein. Wenn er den Stier oder Bullen an den Hörnern greift, wird sich dieser vehement zur Wehr setzen. Dann heißt es zum einen, mit der Energie des Tieres mitzugehen und sich ebenfalls winden zu können. Denn der Stiernacken ist äußerst kräftig und wenn das Tier ruckartig seinen Kopf bewegt, ist Widerstand aus reiner Kraft quasi zwecklos.

  1. Die letzte Komponente ist die Abhärtung mit Qigong-Techniken. Jeder kennt sicherlich die Shows der Shaolin, die mit ihren Handkanten Ziegelsteine zerteilen, Metallstangen verbiegen und ein Auto mit einem Speer am eigenen Hals vorwärts schieben. Genauso lernen die Schüler von Meister HAN ihre körpereigen Energie (chin. Qi ) zu bündeln und einzusetzen.

Ein tödlicher Trainingspartner

Für REN Ruzhi ist der Stier kein Gegner oder irgendein Tier. Er sieht den Stier als gleichwertigen Trainingspartner und gemeinsamen Wegbestreiter an. Allerdings ist es fraglich was der Stier dazu denkt, wenn ihm der Kopf soweit verbogen wird, bis er nachgeben und umfallen muss. Die Familie von Ruzhi ist mit der „Berufswahl“ ihres Sohnes nicht sehr glücklich und fürchtet um seine Gesundheit. Schließlich könnte er bei jedem Kampf schwer verletzt oder gar getötet werden. Immerhin wiegt der Stier das fünffache des Körpergewichts von Ruzhi und könnte ihn locker unter seiner Masse begraben. Außerdem muss nicht erwähnt werden, dass auch die Hörner zu einem tödlichen Werkzeug werden können.

 

Für einige ist der chinesische Stierkampf oder das Niederringen des Stieres mit bloßen Händen vielleicht neu. Allerdings trainierte damals schon Meister Masutatsu Oyama (*27.Juli 1923; † 26. April 1994), Gründer des Kyokushinkai Karate, mit diesen kräftigen Tieren und demonstrierte seine eigenen Kampfkunstfähigkeiten.

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