Budo – Ein Relikt der Vergangenheit?

Ein Karate-Meister meditiert.
Budoka - Quelle: Photo by Sam Moghadam on Unsplash

Budo vs. MMA?

Schneller, besser, stärker – Werte, die unsere moderne Gesellschaft auszeichnen. Ich behaupte, dass Kampfkünste von diesem Phänomen nicht verschont geblieben sind und so die Tore für moderne Kampfsportarten wie dem populären MMA öffnete. Eine Form, die die effektivsten Techniken aus verschiedenen Kampfkünsten in sich vereint. Das Ziel sind Ruhm, der sportliche und sicher nicht selten auch der finanzielle Erfolg. Doch was ist mit den Werten traditioneller Kampfkünste wie dem Budo? Existieren diese noch oder sind sie mit dem Aufstieg populärer Kampfsportarten zu Schatten der Vergangenheit geworden?

 

 

An dieser Stelle soll gar nicht der Eindruck entstehen, dass Kampfsport der falsche „Weg“ ist. Doch scheint das Bewusstsein des ursprünglichen und weniger „coolen“ Do zu einer blassen Erinnerung geworden zu sein. Vielleicht hat die Existenz das ein oder andere Bewusstsein der gegenwärtigen jungen Generation auch nie erreicht, wenn man den ein oder anderen jungen Kampfsportler reden hört.

Budo – Der Weg des Krieges

Budo bedeutet im japanischen „Der Weg des Krieges“ 武道 und ist der Oberbegriff aller traditionellen japanischen Kampfkünste. Darunter fallen Künste wie Karate, Aikido, Kyudo, Judo und viele weitere. Das japanische Kanji Bu bedeutet Krieg, Militär und Kampf. Es verkörpert die physische Komponente der Kampfkünste, die Fertigkeiten und das kriegerische Geschick. Das japanische Schriftzeichen Do ist mit „Weg“ zu übersetzen und ergänzt die erste Komponente um ein wichtiges und wertvolles Element. Es steht für die innere Einstellung und charakterliche Entwicklung des Lernenden.

 

 

Folglich steckt in den japanischen Kampfkünste eine gewichtige philosophische Komponente, die das Handeln des Ausübenden in den Mittelpunkt stellt. Das Ergebnis rückt dabei, anders als im Sport, in den Hintergrund und verliert an Bedeutung. Unweigerlich einhergehend und ebenso im Bushido „Der Weg des Kriegers“ 武士道 werden moralische Prinzipien, Etikette, Selbstbeherrschung, Selbstkontrolle und die Selbstverwirklichung zur lebenslangen Zielsetzung. Kann demnach überhaupt von Budo im Kampfsport gesprochen werden?

Zwei MMA Kämpfer bei einem Wettkampf. Beide befinden sich im Bodenkampf, während der obere Kämpfer dem Kämpfer am Boden ins Gesicht schlägt.
MMA Fight - Quelle: Bild von Mirko Zax auf Pixabay.

Die Unterschiede

Aufgrund der unterschiedlichen Zielausrichtung von Budo und Sport, sind diese unterschiedlich von einander zu betrachten. Budo existiert im Kampfsport demnach nicht. Gewinnen ist das Ziel des Kampfsports, ein Grund für das harte physische Training. Das Prinzip lautet hier „Besser sein als der andere“ und das Ergebnis steht im Vordergrund. Das vom Budo fokussierte Handeln hingegen ist nach innen gerichtet. Folglich darf man behaupten, dass der Begriff Budo-Sport ein Paradoxon darstellt.  

Erfolg und Tugend

In der heutigen Zeit lässt sich unter Umständen gutes Geld mit Kampfsport verdienen. Ein Paradebeispiel sind die für den Sportler und Veranstalter höchst rentablen MMA-Kämpfe. Athleten haben hier die Möglichkeit, mit hartem Training schneller, besser und stärker zu werden und sich auf diese Weise eine glorreiche Zukunft aufzubauen. Schneller, besser, stärker – physisch ja. Doch wie sieht es mit dem Geist und den inneren Werten aus? Es handelt sich um vorherrschende Werte unserer Kultur, die einem das Gefühl von Überlegenheit geben. Doch gleichzeitig verlassen die Athleten den Weg der Tugenden und eigenen Selbstvervollkommnung...sofern sie diesen je beschritten haben.

 

Wo ist der Ruhm im Alter, dann wenn die sportliche Karriere vorbei ist? Was nicht vergessen werden sollte ist, dass die Kampfkünste auch den eigenen Geist und Charakter formen sollen. Fairness, Verantwortungsbewusstsein, rationale Selbsteinschätzung und Selbstbeherrschung sind nur einige Werte des Budo, die sich auf alle Lebensbereiche erstrecken. Meistert man sich selber, kann man auch alles andere im Leben meistern. Gleichzeitig entsteht ein inneres Gleichgewicht wie auch eine Genugtuung, wenn man sich in verschiedenen Lebenssituationen an die inneren Werte besinnt. Ganz besonders dann, wenn man im Guten handelt, charakterliche Schwächen überwunden oder anderen Menschen geholfen hat. Und dieses Gefühl können wir ein Leben lang in uns tragen.

 

Was ist mit euch? Seit ihr eher Kampfsportler oder Kampfkünstler? Ist Budo für euch ein Thema? Hinterlasst euren Kommentar unter dem Artikel und teilt uns eure Gedanken zu diesem Thema mit!

„Ritterlichkeit ist eine Blume, die auf dem Boden Japans nicht weniger heimisch ist als ihr Symbol, die Kirschblüte. Sie ist kein vertrocknetes Blatt einer uralten Tugend, die im Herbarium unserer Geschichte verwahrt wird, sondern ein lebendiges Etwas von Schönheit und Macht, das unter uns weilt.“
Inazo Nitobe; „Bushido – Der Ehrenkodex der Samurai“; Anaconda Verlag GmbH, Köln; 2006.

Anmerkung: Der Artikel erschien zuerst auf http://thewarriorstravelguide.com/budo-ein-relikt-der-vergangenheit/.

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