Dim Mak – Berührung des Todes

Dim Mak - Szene aus dem Film Bloodsport mit Jean Claude van Damme
Dim Mak - Szene aus dem Film Bloodsport mit Jean Claude van Damme

Der Dim Mak und seine Erscheinung

Wer das Wort Dim Mak hört, denkt sicherlich an die heroische und mit Testosteron strotzende Szene aus Bloddsport. Jean Claude van Damme wird in seiner Rolle als Frank Dux aufgefordert einen Ziegelstein mit dem Dim Mak zu zerschlagen, um an einem Turnier teilnehmen zu dürfen. Der Clou: Auf dem Ziegelsteinhaufen soll er nicht den obersten Stein, sondern den untersten zerstören und die anderen unversehrt lassen. Eine meiner Meinung nach phantastische Szene, die es mit dem schattenlosen Tritt 无影脚 der chinesischen Legende Wong Feihung 黃飛鴻 durchaus aufnehmen kann. Doch leider ist die Szene ein bisschen irreführend, denn hinter der Technik des Dim Mak steckt viel mehr als ein impulsiver Schlag.

Dim Mak des Frank Dux

Bevor ich auf den eigentlichen Ursprung des Dim Mak zu sprechen komme, stelle ich den Dim Mak des Frank Dux kurz vor. Den Angaben von Frank Dux zufolge sei er als Teenager von dem Ninjitsu-Experten Senzo Tanaka zum Ninja ausgebildet worden. Eine Technik, die er im Laufe seiner Zeit als Ninja entwickelte, war der Dim Mak. Der Dim Mak von Frank Dux ist eine Schlagtechnik, die ein Ziel weit hinter der eigentlichen Aufschlagoberfläche schädigt, ohne diese zu beschädigen.Damit seien Treffer möglich, die keine äußeren Spuren/Verletzungen am Objekt hinterlassen. Im Kung Fu gibt es ähnliche Techniken. Doch der echte Dim Mak funktioniert ganz anders.

Das Prinzip des Dim Mak

„Berührung des Todes“ nennt man den Dim Mak im Westen. Der Begriff Dim Mak 點脈 diǎnmài

 

kommt ursprünglich aus dem Kantonesischen und heißt richtig übersetzt „Drücken/Pressen der Arterien“. Im Hochchinesischen heißt die Technik 点穴 diǎnxué und bedeutet ebenfalls „Drücken/Pressen der Arterien“. Sie hat ihren Ursprung in der traditionellen chinesischen Medizin und beinhaltet die Behandlung von Vitalpunkten durch Akupressur. Während diese Behandlung im medizinischen Sinne noch der Heilung galt, haben sich im Laufe der Zeit Techniken in den Kampfkünsten entwickelt, die sich dieses Prinzip zu Nutze machen und die Zerstörung des Gegners als Ziel haben. Da die traditionellen Kampfkünste aber oft das Harmonieprinzip verfolgen, können zerstörerische Effekte mit einer Gegentechnik neutralisiert werden.

 

 

Während des Dim Mak drückt der Kämpfer seinem Gegner mit dem Finger auf Nervenmeridiane, um diese negativ zu stimulieren. Ein Druck, Stoß oder Schlag auf die Nervenpunkte kann folglich Schmerzen, kurzzeitige Lähmung, Atemstillstand oder gar den Tod bewirken. Die Vitalpunkte werden in vier grundlegende Gruppen eingeteilt: hūnxué bewirken der Ohnmacht, yǎxué bewirken von Stummheit, máxué bewirken von Lähmung und sǐxué bewirken von Tod. Eine sehr ähnliche Anwendung dieser Techniken verfolgt das japanische Kyoshu-Jitsu.

(In dem Video zeigt Kyuso-Jitsu Meister Daniel aus Argentinien den Dim Mak anhand seiner Schüler. Er zeigt unter anderem das Unterbrechen der Blutzufuhr in den Beinen, durch Druck auf einen Nerv am Unterarm, was die Person zu Fall bringt. Ein weiteres Beispiel ist das Helfen eines betrunkenen Freundes, der regungslos am Boden liegt. Durch Druck auf Nervenpunkte am Kopf lässt sich die Person bewegen. Techniken die zur Ohnmacht führen, muss mit entsprechenden Gegentechniken begegnet werden.) 

Dim Mak in der Anwendung

Die traditionelle chinesische Medizin behandelt insgesamt 360 Punkte am menschlichen Körper, die für den Angriff und die Heilung anwendbar sind. In den asiatischen Kampfkünsten werden davon meist 108 näher betrachtet. Der Schülere lernt zu Beginn die heilende Wirkung bevor er zu den Kampfhandlungen kommt. Im Taijiquan geht man von insgesamt 46 Punkten am eigenen Körper aus, mit denen der Ausübende eigene Energien freisetzen kann. Der Gründer des modernen Karate Funakoshi Gichin, beschränkt sich sogar auf nur 40 Angriffspunkte. Diese begründen sich jedoch nicht auf der Lage im Meridiansystem, sondern ganz einfach anatomisch. Das Ziel ist in diesem Fall die Zerstörung anatomischer Strukturen und die Einwirkung auf Schmerzrezeptoren.  

Fazit

Der echte Dim Mak ist also kein mystische Todesstoß, sondern beruht auf erklärbaren Techniken der Akupressur. Allerdings wird das Bild des Dim Mak in Filmen gerne überzogen und falsch dargestellt. Eine Anwendung im realen Kampfgeschehen ist allerdings eher fraglich. Denn oft handelt es sich um schwer erreichbare Trefferzonen von ein bis drei Millimetern. Diese im Handgemenge richtige angreifen zu können ist äußerst zweifelhaft. Aber so ist das meist mit Theorie und Praxis in den Kampfkünsten.

 

 

Was haltet ihr von der Anwendbarkeit des Dim Mak oder habt ihr sogar Erfahrung mit der Technik machen können? Hinterlasst eure Meinung gerne mit einem Kommentar.

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