Wettkampf oder nicht? - Kampfsportler und die Angst vor dem Kampf

Zwei Muay Thai-Kämpfer im Boxring. Der Kämpfer in der roten Hose tritt den Kämpfer in der schwarzen Hose.
Muay Thai Wettkampf - Quelle: Photo by Pablo Rebolledo on Unsplash

Die Angst vor dem Schmerz

Je nach Kampfsport gibt es die Möglichkeit, verschiedenen Disziplinen wie Formenlauf, Bruchtest etc. zu bestreiten. Doch wie sieht es mit dem Kämpfen (Kumite) aus? Auf der einen Seite ist es verständlich, wenn jemand eine Kampfkunst rein aus Interesse praktiziert, um sich Wissen anzueignen und körperlich fit zu halten. Meist haben sie auch Spaß daran, irgendwelche Griffe und Würfe zu erlernen, einstudierte Partnerübungen nach dem Schema „Du greifst mit Technik A an und ich blocke und kontere“. Doch wenn es in der aktuellen Stunde heißt, dass in der kommenden Woche Sparring auf dem Plan steht, lichten sich die Reihen plötzlich. Die Angst vor dem richtigen Kontakt, vor Verletzungen und der kompetitive Gedanke schrecken viele ab.

 

 

Haltet Euch vor Augen, dass Sparring nicht zum Ziel hat, sich die Fäuste gegenseitig möglichst feste ins Gesicht zu rammen und ein Last Man Standing draus zu machen. Es steht in der Pflicht des Trainers einen Überblick über die Situation zu behalten und Übertreiber und Raufbolde zu ermahnen. Schließlich sollen die Jüngeren und Unerfahrenen auch etwas lernen und nicht für die Hartgesottenen als Kanonenfutter dienen. Doch möchte ich die Frage aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Ich selbst bin der festen Überzeugung, dass gerade in den traditionellen Kampfkünsten mit Gürtelsystem Wettkampferfahrung eine Pflicht darstellt. Spätestens dann, wenn der Sportler seinen schwarzen Gürtel machen möchte, sollte er über ein wenig Wettkampferfahrung verfügen. Doch warum bin ich dieser Meinung?

Zwei Kinder trainieren Karate. Das Mädchen mit den roten Boxhandschuhen tritt das Mädchen mit den blauen Boxhandschuhen.
Kinder beim Karate-Wettkampftraining - Quelle: Photo by Jyotirmoy Gupta on Unsplash

Schwarzgurt – Und die Angst vorm Kämpfen

Im Karate geht man mit Bestehen der Schwarzgurtprüfung die Verpflichtung ein, sich stets weiter zu entwickeln und seine Wissen auszubauen. Man geht aber auch die Verpflichtung ein, sein Wissen weiterzugeben. Wenn nun jemand über keine Wettkampferfahrung verfügt, wie soll er dann das Wissen darum weitergeben? Die Kampferfahrung, das Wissen über Taktiken und Strategien, der Umgang mit der Angst, das Lesen der Bewegungen eines Gegenübers, das Wissen über sich selbst in Stresssituationen einer Auseinandersetzung etc. fehlen schlichtweg. Der Schwarzgurt ist ein Meistergrad. Auch Tischler legen einen Meisterbrief ab, doch welcher Tischler ist ein richtiger Meister seines Handwerks, wenn er den Hammer nicht schwingen kann?

 

 

Ich möchte meinen Gedanken weiter ausbauen. Außer dem Fitnessgedanken und dem Interesse um die Inhalte einer Kampfkunst besteht der Wunsch, sich verteidigen zu können. Klasse, ich kenne alle Formen oder schaffe es Bretter durchzuschlagen und kenne die Konter A-Z in der Theorie. Doch wer sich nicht mit Sparring oder Wettkampf auseinandergesetzt hat, weiß nicht mit dem dann auftretenden Stress umzugehen! Glaubt nicht ernsthaft, dass Ihr euch auf der Straße verteidigen könnt, wenn Euch solche essentiellen Erfahrungen fehlen. Natürlich ist das immer noch eine andere Situation als auf einem geregelten Wettkampf. Aber es steigert eure Chancen heile aus der Situation herauszukommen. Und zum Schluss ist da noch der Gedanke, dass man im Grunde nicht behaupten dürfte, eine Kampfkunst zu beherrschen, wenn einem Wettkampferfahrung fehlt. Ich kann schließlich auch nicht sagen, dass ich Mathematik kann, aber Funktionen finde ich zu schwer und habe sie deshalb nicht gelernt.

Zwei MMA-Kämpfer kämpfen im Ring. Der Kämpfer mit den gelben Handschuhen schlägt den Kämpfer mit den roten Handschuhen.
Wettkampf und Sparring können weh tun - Quelle: Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/skeeze-272447/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1045215">skeeze</a> auf <a href="https://pixabay.com/d

Kampfsport wird zum Freizeitsport

Aufgrund eigener Erfahrungen in verschiedenen Schulen und Gesprächen mit Trainern und Meistern scheine ich die Tendenz zu beobachten, dass besonders die traditionellen Kampfkünste wie Karate oder Taekwondo zum Breiten- oder Freizeitsport zerfallen. Schaut man sich die Szene von vor 20 Jahren an, waren die Leute wesentlich wettkampfaktiver. Bei Kampfsportarten wie Boxen, Muay Thai oder MMA sieht das ganze noch ein wenig anders aus. Dort sind wesentlich mehr Sportler anzutreffen, die sich auch für den kompetitiven Vergleich interessieren. Selbstverständlich bleibt es jedem am Ende selbst überlassen, was er mit seinen Fähigkeiten anfängt. Doch ruft euch in Erinnerung, dass in den Wörtern Kampfsport und Kampfkunst das Wort Kampf enthalten ist.

 

 

Ja Sparring kann weh tun – es wird weh tun! Je nach Kampfsportart mehr oder weniger. Aber es macht euch auch härter und es sind die Geschichten, an die Ihr Euch gemeinsam mit Euren Wettkampffreunden erinnern werdet. Um das Thema weiter zu vertiefen, werde ich in den nächsten Artikeln über die 5 Pro und 5 Kontra, an Wettkämpfen teilzunehmen, berichten. Doch was ist Eure Meinung. Wie steht Ihr zu diesen Ansichten und was sind Eure Gedanken?  

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