Thaiboxen auf Koh Samui – Besuch eines Wettkampfabends

Zwei Thaiboxer kämpfen in einem Boxring. Der rechte Thaiboxer tritt mit einem Schienbein in die Rippen des Gegners. Im Hintergrund steht der Wettkampfrichter.
Thaiboxen auf Koh Samui - Quelle: Photo by Solal Ohayon on Unsplash

Wer das Herkunftsland des Muay Thai besucht und selbst Kampfsportler ist, für den ist der Besuch eines Thaibox-Wettkampfes Pflicht. Zumindest als Zuschauer. Ziemlich überall in Thailand haben Einheimische und Besucher regelmäßig die Möglichkeit, solche Events zu besuchen. Während meines Aufenthalts auf der thailändischen Insel Koh Samui hatte auch ich die Chance, an einem Muay Thai-Abend teilzunehmen, als Zuschauer natürlich. Über meine Eindrücke und Erfahrung erzähle ich im folgenden Artikel.  

Koh Samui – Ein Paradies auf Erden

Im Golf von Thailand liegt die zweitgrößte Insel Thailands, Koh Samui. Während meines Thailandbesuchs war sie das erste Reiseziel. Zwar ist sie die zweitgrößte Insel des Königreichs, doch kann man sie mit einem Auto locker innerhalb von drei bis vier Stunden umrunden. Unser Hotel lag knappe 15 Minuten vom Flughafen entfernt, womit wir uns direkt im Bezirk Chaweng befanden. Der Bezirk selbst und die dort liegende Chaweng Beach Road sind das touristische Zentrum der Insel. Aufgrund der hohen Besucherdichte in diesem Bezirk, machen die einheimischen dort auch die meiste Werbung für alle möglichen Aktivitäten auf dem Eiland. Unter anderem für die regelmäßig stattfindenden Muay Thai-Kämpfe.

 

Zahlreiche Geschäfte, Resorts und Massage-Salons säumen die Chaweng Beach Road. Als Neuling sollte man sich bereits zu Beginn schnell an die Mitarbeiter gewöhnen, die vor jedem Store und Massage-Salon warten, um Besucher hinein zu locken. Interessanterweise scheinen diese Menschen sprachlich hochtalentiert zu sein, da sie gefühlt in jeder Sprache Konversation betreiben können. Das Vokabular reicht vom chinesischen „Ni hao“ bis zum deutschen „Sau billig“, was einem natürlich unweigerlich ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Doch wo das Geschäft boomt, rührt man auch andere Art und Weise die Werbetrommel.

 

 

Gegen den späten Nachmittag durchqueren regelmäßig Pick-Ups die Chaweng Beach Road. Diese tragen auf ihren Ladeflächen großflächige Plakate zu beiden Seiten und leistungsstarke Lautsprecherboxen. Über diese Boxen werden je nach Veranstalter und Angebot die verschiedensten Sachen angeboten. Darunter natürlich auch die Muay Thai-Veranstaltungen. Per Aufnahme verlautet ein Sprecher in Dauerschleife Ort und Uhrzeit der Veranstaltung. Ein „musikalischer“ Remix der Mortal Kombat- und Street Fighter-Sounds untermalt die Ansage akustisch und sorgt auch hier wieder für ein Schmunzeln. Platzhirsch für die Veranstaltungen ist übrigens das Samui International Muay Thai Stadium. Ebenfalls keine 15 Minuten vom Hotel entfernt...und 20 Meter vom Rotlichtviertel.

Ein Pick-Up mit Werbeplakaten für eine Muay Thai-Wettkampfveranstaltung.
Werbe Pick-Up auf der Chaweng Beach Road

Der Ticketkauf – Unterschiede und wo sie erhältlich sind

Wie bereits erwähnt, sollte man als Kampfsportler eine Veranstaltung besuchen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Die Tickets für den Einlass können auf verschiedene Arten erworben werden. Auf der Insel gibt es unzählige Veranstaltungsbüros, in denen Besucher die Tickets erwerben können. Alternativ kann man die Tickets auch im Internet kaufen. Wir haben die Tickets direkt im Hotel gekauft, da es extra einen Ticketstand im Foyer gab. Eine kurze Recherche zeigte, dass die Preise tatsächlich überall gleich waren. Daher ist man frei in der Wahl beim Ticketkauf. Die Tickets unterteilen sich in drei Preiskategorien: 1. Kategorie 1500 Baht (ca. 44 Euro) für normale Tribünenplätze; 2. Kategorie 2000 Baht (ca. 59 Euro) für Plätze direkt am Ring; 3. Kategorie 2500 Baht (ca. 74 Euro) für die VIP-Sitze direkt am Durchlauf der Wettkämpfer zum Ring.

 

Mit den günstigsten Tickets ist man allerdings schon sehr gut beraten, da die Halle keineswegs überfüllt war und man die Show mit ausreichend Platz verfolgen konnte. Eine Sitzplatzreservierung gibt es übrigens nicht, womit das Motto „Wer zuerst kommt, malt zuerst.“ gilt. Ehrlich gesagt sind die günstigen Tribünenplätze meiner Meinung nach auch die besseren Plätze, da man erhöht sitzt und somit einen viel besseren Überblick über das Spektakel hat. Sitzt man zu weit unten wie bei den 2000 Baht-Plätzen, dann muss man entweder ständig nach oben schauen oder die Sicht wird durch die Einheimischen verdeckt, die sich am Rand des Boxrings sammeln und Wetten abschließen.

 

 

Wer sich die Tickets im Hotel oder einem Ticketshop an der Straße holt, kann sogar eine Zeit für einen Pick-Up vereinbaren. Zur gewünschten Uhrzeit kommt dann ein Fahrer vorbei, sammelt alle auf der Strecke ein und fährt die Gäste dann bis vor die Tür des Samui International Muay Thai Stadium. Der Fahrer sorgt des Weiteren am Eingang für einen reibungslosen Einlass. Besucher müssen sich an dieser Stelle also um nichts sorgen.

Der Boxring und die noch leeren Stuhlreihen im Samui International Muay Thai Stadium.
Die Ruhe vor dem Sturm im Samui International Muay Thai Stadium.

Klomann, Masseur und Chiropraktiker in einer Person

Hier noch ein kleiner Tipp. Wer vor Beginn der Kämpfe noch einmal für kleine Königstiger muss, der sollte etwas Kleingeld mitnehmen. Denn auch in den Waschräumen, die sich übrigens direkt in der Umkleide der Athleten befinden, wird man um einen Obolus gebeten. Allerdings nicht ohne Gegenleistung. Als ich mir die Hände waschen wollte kam ein kleiner Thailänder herüber und bot mir ein Handtuch an, das ich dankend annahm. Wieder war ich von der thailändischen Freundlichkeit begeistert. Als ich mir die Hände abtrocknete, machte sich der kleine Mann ohne Umschweife daran, meinen Nacken zu massieren, was mir dann doch ein bisschen komisch vorkam. Und da sah ich dann auch schon die kleine Plastikbox mit der Aufschrift „Tip“.

 

 

Schnell war mir klar, dass ich vorsichtig sein musste. Schließlich hatte ich keinen Schimmer, was mir nachher in Rechnung gestellt werden würde. Und gegen zwölf Muay Thai-Athleten wollte ich mich dann auch nicht behaupten, nur um aus den Waschräumen raus zu kommen. Also machte ich dem freundlichen Masseur deutlich, dass es genüge. Er nickte nur eifrig und signalisierte mir mit den Worten „strong, strong“, dass er meine Statur für sportlich hielt. Ehe ich mich versah, nahm er auch schon meinen Kopf und riss ihn mit einem geübten Ruck einmal rechts und einmal links herum. Entspannter wie in diesem Moment habe ich mich ehrlich gesagt im ganzen Leben nicht gefühlt. Als ich dann die Worte „Tip, tip“ vernahm, war ich von seinen Fähigkeiten überzeugt und machte ein kleines Trinkgeld locker.  

Der Highkick des thailändischen Muay Thai-Kämpfers trifft mit einem lauten Klatschen ins Gesicht des russischen Kontrahenten.
Der Highkick des Thailänders traf mit einem lauten Klatschen ins Gesicht des russischen Kontrahenten.

6 Kämpfe – 5 Knock-Outs

An dem Abend gab es insgesamt sechs Wettkämpfe mit je fünf Runden zu sehen. Eine Runde dauerte drei Minuten. Ob die Wettkämpfe allerdings echt waren oder nur Show ist schwer zu sagen. Eine Vorabrecherche sorgte bei mir für Misstrauen, dass es sich eventuell nur um Tourismus-Entertainment handeln könnte. Die hohe Anzahl an Knock-Outs verstärkte den Verdacht, denn von den insgesamt sechs Kämpfen gingen fünf mit einem K.O. zu Ende. Meiner Meinung nach ist das eine enorm hohe Quote. Da Frage ich mich, was die Experten vom K1 immer so lange brauchen.

 

Auf der anderen Seite könnte es sich um echte Wettkämpfe gehandelt haben, da sich die Einheimischen an der Ringseite sammelten und inoffizielle Wetten abschließen. Wer auf Glücksspiel und Sportwetten steht, durfte ebenfalls Wettscheine abgeben. Das machte für uns an dem Abend aber wenig Sinn, da wir keinen einzigen der Kämpfer kannten. Also haben wir aus Spaß untereinander gewettet. Am Ende hatte jeder von uns beiden einen richtigen Tipp und wusste, dass Sportwetten nichts für uns sind. Show hin oder her. Die Atmosphäre stimmte, die Athleten waren gut und geklatscht hat es auch ordentlich. Was will man an so einem Abend also mehr?

 

 

Wer sich über das Stadion weiter informieren und erste Eindrücke aus der Ferne sammeln möchte, kann dies über die offizielle Webseite tun: https://www.samuithaiboxing.com/

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