Lethwei – Die Kampfkunst der neun Gliedmaßen

Im Boxring sind zwei asiatische Boxer, die Lethwei kämpfen. Sie haben nur Thaiboxhosen an und bandagierte Fäuste.
Im Lethwei wird ohne Handschuhe geboxt, nur mit Bandagen. - Quelle: Photo by William - Titel: A Mighty Wind - Link: https://www.flickr.com/photos/heyitschili/15690501316/in/photolist-2hDgqJd-pEfuRp-oZSJJx-pWLpuS-pWBkpD-pUwd8s-pEhzLd-pEdvkA-pEfY8i-pUvVoL-

Für viele Menschen ist Muay Thai der härteste Kampfsport der Welt. Doch wahrscheinlich nur, weil Muay Thai auch im Westen einen hohen Bekanntheitsgrad genießt. Im vergleichsweise unbekannten burmesischen Boxen geht es nämlich ein ganzes Stück härter zur Sache. Die Rede ist von Lethwei, die Kampfkunst der neun Gliedmaßen.

Lethwei und seine neun Waffen

Lethwei wird auch burmesisches Boxen genannt und ist eine traditionelle Kampfkunst aus Myanmar, dem ehemaligen Burma. Myanmar liegt an der Grenze zu Thailand, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass sich Lethwei und Muay Thai auf den ersten Blick sehr ähneln. Ein Unterschied allerdings ist, dass anders als im Muay Thai nicht von acht, sondern von neuen Waffen des Kämpfers gesprochen wird. Neben den Füßen, Knien, Fäusten, und Ellenbogen stellt auch der Kopf im Lethwei eine gefährliche Waffe dar. Kopfstöße sind damit auch bei Wettkämpfen ein legales Mittel, seinen Kontrahenten zu bezwingen und auf die Bretter zu schicken.

 

 

Des Weiteren kämpfen die Athleten im Wettkampf mit den bloßen Fäusten, die lediglich mit Bandagen umwickelt sind. Boxhandschuhe wie im Muay Thai werden nicht benutzt. Und genau diese zwei Komponenten machen Lethwei zur sicherlich aggressivsten und brutalsten Kampfkunst der Welt. Dennoch sorgt diese für eine besondere Faszination, da ihr sehr viel von der Seele Myanmars innewohnt. Es ist eine Kampfkunst, die die Traditionen und die Kultur des Landes repräsentiert und für viele Einheimische ein Weg aus der Armut sein kann.

Auf dem Bild ist der Oberkörper eines Mannes zu sehen. Er trägt ein blaues T-Shirt und bandagiert seine Fäuste mit rotem Tape.
Im traditionellen Lethwei kämpfen die Athleten nur mit bandagierten Fäusten. Handschuhe gibt es keine. - Quelle: Payam Tahery on Unsplash

From Zero to Hero

Ganz ähnlich wie im thailändischen Muay Thai stellt auch Lethwei die Möglichkeit dar, aus der Armut heraus zu einer Bekanntheit zu werden. Für viele Einwohner ist es zum Teil die einzige Möglichkeit, die eigene Familie zu unterstützen und selbst zu Ansehen in der Gesellschaft zu kommen. Deshalb fangen viele Burmesen bereits im Kindesalter mit dem harten Training an, oftmals unter sehr spartanischen und ärmlichen Bedingungen.  

Auf dem Foto ist ein Dorf in Myanmar zu sehen. Es sind nur wenige Hütten am Flußufer. Dahinter befindet sich ein Wald.
Viele Lethwei-Kämpfer kommen aus ärmlichen Verhältnissen, wie diesem Dorf in Myanmar. - Quelle: Dinis Bazgutdinov on Unsplash

Der K.O. entscheidet

Punkte haben in Lethwei-Wettkämpfen keinerlei Bedeutung. Einzig ein Knockout oder technischer Knockout entscheiden über Sieg und Niederlage. Ein Wettkampf dauert üblicherweise fünf Runden. Sollten am Ende immer noch beide Kämpfer stehen, wird der Kampf mit Unentschieden gewertet. Aufgrund dessen wirken die Kämpfe noch brutaler, doch herrscht auch eine gewisse Fairness, da die Kämpfer von Punktkampfrichtern unabhängig kämpfen und niemand bevorzugt bewertet werden kann.  

Zwischen Tradition und Moderne

Wie bereits erwähnt spiegelt Lethwei die Kultur Myanmars wider und die Kampfkunst hält an Traditionen fest. Auch Buddha soll nach örtlichen buddhistischen Glaubensausrichtungen Lethwei gekämpft haben. Folglich vertreten viele Lehrmeister und Kämpfer nicht selten buddhistische Ansichten wie Genügsamkeit und Höflichkeit. Ihren Vorstellungen zufolge kommt der Ruhm automatisch mit erfolgreichen Kämpfen und sollte deshalb nicht an erster Stelle stehen bzw. oberstes Ziel sein. Allerdings begeistern sich auch immer mehr ausländische Teilnehmer für diesen Sport, die zumeist aus dem Mixed Martial Arts kommen und ganz andere Ambitionen haben. Das nimmt Einflüsse auf die Mentalität einiger einheimischer Athleten und der vorrangige Drang nach Ruhm und Ehre wächst in ihren Herzen.  

Das Bild ist schwarz-weiß. Es ist eine Buddhastatue auf einer Steinruine zu sehen. Links und rechts von ihm stehen jeweils fünf Steinsäulen.
Nach örtlichen buddhistischen Vorstellungen war auch Buddha ein Lethwei-Kämpfer. - Quelle: Photo by Luca Santos on Unsplash

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