Xu Xiaodong – MMA-Kämpfer wird zensiert

Auf dem Bild ist Xu Xiaodong zu sehen, wie er im Boxring steht.
Xu Xiaodong fordert die Kungfu-Meister Chinas heraus - Quelle: Screenshot aus https://www.youtube.com/watch?v=EuusqWtgak0 Zugriff: 08.04.2020

Xu Xiaodong ist chinesischer MMA-Kämpfer und sein Spitzname lautet Mad Dog. Er machte es sich zur Aufgabe, Chinas Kungfu-Meister herauszufordern und als Scharlatane zu entblößen. Doch dann wurde er Opfer der Zensur und sieht sich nun gezwungen, sein Heimatland zu verlassen.

Ein MMA-Kämpfer und sein Feldzug

Xu Xiaoxong, geboren am 15. November 1979 in Beijing, ist Gründer des MMA in China. Seit dem Jahr 2017 ist er wohl der bekannteste Kampfsportathlet im Reich der Mitte. Denn in besagtem Jahr begann er damit, Chinas Kungfu-Meister im Zweikampf herauszufordern und zu beweisen, dass deren traditionellen Kampfkünste nutzlos seien. Als Beweis wurden diese Kämpfe per Video aufgezeichnet und über soziale Plattformen veröffentlicht. An dieser Stelle muss man allerdings erwähnen, dass er sich dieses Ziel nicht willkürlich setzte. Aufgrund von Äußerungen und fantastischen Präsentationen ihrer mystischen Fähigkeiten haben diese Meister ganz alleine für seine Aufmerksamkeit gesorgt.

 

Seine erste Herausforderung bestritt Xu Xiaodong 2017 gegen den Taiji-Meister Wei Lei. Das Video dazu verbreitete sich in den chinesischen Medien rasend schnell und sorgte in der Kampfkunstszene für zahlreiche Diskussionen. Weitere Kungfu-Meister fühlten sich persönlich angegriffen und forderten Xu Xiaodong offiziell per Videobotschaft heraus. Die Meister, die ihre Herausforderung auch verwirklichten, verloren. Andere nahmen sie zurück und entschuldigten sich, sobald Xu Xiaodong einem Kampf zusagte. Kein Wunder, wenn man das Ergebnis des Kampfes mit Wei Lie (auch Lei Lei) berücksichtigt. Der Kampf endete nach wenigen Sekunden mit einer Niederlage und blutigen Nase für Wei Lei.

Ein Verhalten mit Folgen

Einerseits kann man Xu Xiaodong Handeln nachvollziehen und als mediales Spektakel verstehen, doch seine Beleidigungen gegenüber den traditionellen Kampfkünsten schien Vater Staat zu weit zu gehen. Die Beleidigungen gegenüber Taichi-Meister Chen Xiaowang betrachtete auch der Staat als zu viel des Guten. Somit schlug die staatliche Zensur zu und sperrte alle Konten von Xu Xiaodong auf den sozialen Plattformen. Sein Social Credit-Konto litt ebenfalls unter seinem Feldzug, was dazu führte, dass ihm Fahrten mit dem Schnellzug und Flüge untersagt wurden. Unartige Bürger Chinas sind eben Menschen zweiter oder dritte Klasse, je nachdem wie niedrig der soziale Punktestand ist.

 

 

Doch damit nicht genug. Zusätzlich erlegte man Xu Xiaodong ein Strafgeld auf, das er als Schadensersatz in Höhe von 200.000 Yuan (ca. 26.000 Euro) an Chen Xiaowang zahlen muss. Außerdem muss er sich bei Meister Chen über die sozialen Medien sieben Tage am Stück entschuldigen. Aufgrund der Zensierung und den Auflagen verlautbarte Xu im Juni 2019, dass er sich gezwungen sähe, China zu verlassen und er plane, nach Australien auszuwandern. Da scheint allerdings noch nicht viel draus geworden zu sein, da er sich immer noch in Beijing aufhält.

Das Video zeigt Taichi-Meister Chen Xiaowang und Strongman Long Wu im Kräftevergleich.

Xu gewinnt seinen größten Kampf

Im Februar dieses Jahres hatte Xu Xiaodong seinen wohl größten und für ihn wichtigsten Kampf. So trat er in Bangkoks Muay Thai Lumpinee Stadion gegen den japanischen Kickbox-Champion Yuichiro Nagashima an und gewann. Damit stellte er klar, dass er sich auch gegen ihm ebenbürtige Athleten durchsetzen kann. Denn selbstverständlich behaupteten viele Stimmen, dass er die Kungfu-Meister nur herausgeforderte, um sich selbst einen Namen in den Medien zu verschaffen und die Meister aufgrund von Statur und Alter keine Gegner waren.

 

 

Allerdings durfte sich Xu Xiaodong nicht ganz sicher sein, ob der Kampf in Thailand stattfinden würde oder nicht. Denn immer noch greift die Zensur seiner Social Media-Kanäle und den unangekündigten Besuch von Beamten in seinen vier Wände durfte er aufgrund politischer Äußerungen auf Youtube ebenfalls erleben. Diesen Besuch fasste er als offizielle Drohung durch den Staat auf und hatte damit Sorge, dass er Peking auf dem Weg nach Thailand eventuell nicht verlassen dürfe. Doch Ende gut, alles gut und Xu Xiaodong durfte seine Fäuste im Lumpinee-Stadion dann doch noch schwingen.

Diskussion

Die Thematik bietet auf jeden Fall viel Diskussionsstoff. Einerseits kann man diskutieren, ob es nötig ist, offensichtliches Fake-Kungfu zu entlarven und die sogenannten Meister zu verdreschen oder einfach ziehen zu lassen. Denn sicher ist, nicht jeder Kungfu-Meister, der Opfer von Xus Feldzug wurde, erfüllte die körperlichen Voraussetzungen für einen fairen Kampf, da sie entweder älter waren oder einen leichteren Körperbau hatten. Hinzu kommt die Frage, ob man die verschiedenen Kampfkünste so miteinander vergleichen muss und ob es überhaupt den Geist der Kampfkünste entspricht, sich gegenseitig herauszufordern und zu zeigen, wer der stärkere ist. Jedem ist klar, dass ein Kickboxer verliert, sobald der Kampf gegen einen Judoka in Richtung Boden geht und umgekehrt.

 

Doch was haltet ihr von den Sanktionen aufgrund seiner verbalen Angriffe gegenüber Chen Xiaowang? Sind diese gerechtfertigt? Schließlich kennen wir diese Art des PR-Gerangels von Auftaktveranstaltungen im westlichen MMA oder Boxkämpfen. Auch dort nehmen die Athleten nicht die Hand vor dem Mund und beschimpfen sich. Doch scheint es im Westen dazuzugehören. Aber entspricht das dem Geist der Kampfkünste? Viele Stimmen rechtfertigen die Sanktionen damit, dass Xu die traditionelle Kultur Chinas mit ausländischen Waffen bedrohe.  

 

Wie seht ihr das? Teilt gerne eure Gedanken und Meinungen zu diesem Thema im Kommentarbereich mit.

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