Nanquan – Die Faust des Südens

Ein Athlet zeigt eine Nanquan-Form auf einem Wushu-Wettkampf.
Ein Athlet zeigt eine Nanquan-Form auf einem Wushu-Wettkampf - Quelle: Screenshot von https://www.youtube.com/watch?v=HMBnbaDTJkA

Was wir im Westen Kung-Fu nennen heißt in China Wushu. Dabei handelt es sich um den Oberbegriff aller chinesischen Kampfkunststile im Reich der Mitte. Über die Jahrhunderte entstanden zahlreiche Stile und niemandem ist es zu verdenken, wenn man dabei den Überblick verliert. Daher schauen wir uns die verschiedenen Stile einmal genauer an. In diesem Artikel stelle ich euch den Nanquan-Stil vor.

 

Kung-Fu verstehen

Um ein Grundverständnis gegenüber den chinesischen Kampfkünsten zu entwickeln, ist es zunächst notwendig, den Begriff Kung-Fu näher zu erläutern. Im Westen bezeichnet man beispielsweise die chinesischen Kampfkünste mit dem Begriff Kung-Fu, was aber nur bedingt richtig ist. Streng genommen handelt es sich vielmehr um ein Synonym, den die Chinesen zur Umschreibung der Kampfkünste verwenden. Denn die eigentliche Übersetzung des chinesischen Begriffs Kung-Fu gongfu 功夫 bedeutet, dass jemand in seinem Können sehr gut ist oder seine Fähigkeit sehr gut beherrscht.

 

Daher ist die Übersetzung von shaolin gongfu 少林功夫mit „Die Kampfkünste der Shaolin“ nicht grundlegend verkehrt, doch kann man beispielsweise auch bei einem Kalligrafen von gongfu sprechen. Dieser verfügt je nach Fertigkeit seiner Kunst über ein gutes oder ein schlechtes gongfu. Der in China gebräuchliche Term zur Umschreibung der chinesischen Kampfkünste lautet Wushu wushu 武术 und bedeutet übersetzt „Kampfkünste“.

Der Fuß des Nordens und die Faust des Südens

Der Jangtse-Fluss 长江 ist mit 6380 Kilometern Chinas längster Fluss und teilt das Land in Nord und Süd. Im Kontext der chinesischen Kampfkünste teilt er nicht nur das Land, sondern auch die Stile in Nordstile und Südstile auf. Die Stile im Norden nennt man alternativ „nördliche Richtung“ beipai 北派 oder „Bein des Nordens“ beitui 北腿, die den Gegenpart zur „Faust des Südens“ nanquan 南拳 bilden.

 

Stil und Sammelbegriff

Nanquan ist ein Stil und ein Sammelbegriff gleichermaßen. Heute ist der Term ein geläufiger Oberbegriff für die südlichen Kampfstile und umfasst die Stile wie Choi Lei Fut (Cailifo 财利佛), Hung Kuen (Hongjiaquan 洪家拳 Hung Gar Kung-Fu) und Wing Chun (Yongchun 永春), die ihre Ursprünge in der Kantonprovinz haben. Auf modernen Wushu-Turnieren stellt Nanquan eine Kategorie dar.

 

 

„Die Faust des Nordens“ ist aber auch eine Stilrichtung, die sich durch eine Vielzahl von Handtechniken auszeichnet. Weitere Merkmale sind die kurzen und kräftigen Bewegungen, stabile Stellungen mit niedrigem Körperschwerpunkt, wenige und niedrige Beintechniken sowie der häufige Einsatz von Kampfschreien fasheng 发声, die dem japanischen Kiai entsprechen. Selbstverständlich verwendet der Stil auch seine eigenen Waffenformen mit Waffen wie dem südlichen Breitschwert (nandao 南刀) und dem südlichen Stock (nangun 南棍).

 

 

Im Jahr 2003 führte die International Wushu Federation akrobatische Bewegungen wie Sprünge und Salti ein, die zuvor nicht Bestandteilt der Formen waren.

 

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