Knockout in 30 Sekunden

Ein schwarz weißes Bild von einem Boxring. Im Vordergrund liegt ein Boxer, der gerade K.O. geschlagen wurde. Ganz rechts Bild ist der Kampfrichter, der den Athleten anzählt.
Knockout in 30 Sekunden - Quelle: Bild von Free-Photos auf Pixabay https://pixabay.com/de/photos/boxen-lockerer-ko-schiedsrichter-984174/

Seit wenigen Jahren herrscht in China die Debatte, ob die traditionellen Kampfkünste einiger Meister Nutzen für den echten Kampf haben oder einfach „Fake“ sind. Im Rahmen dieser Diskussion finden immer wieder Vergleichskämpfe zwischen Vertretern des modernen MMA und eben diesen Meistern statt. Das Bild könnte auf den ersten Blick nicht eindeutiger sein, denn alle Meister unterlagen dem modernen MMA. Erst vergangenes Wochenende unterlag erneut ein 69 jähriger Tai Chi Meister seinem wesentlich jüngeren Opponenten.

Xu sagt: Alles Fake

Die Diskussion begann mit dem chinesischen MMA Kämpfer Xu Xiaodong, über den ich bereits berichtete. Er beschimpfte die Meister traditioneller chinesischer Kampfkünste, dass sie Scharlatane und Lügner seien. Ihr Systeme seine veraltet und in einem echten Kampf nutzlos. Das sorgte in der Szene natürlich für Empörung und nicht wenige Meister der alten Schule reagierten auf Xus Äußerungen, nahmen sogar die Herausforderung zum Zweikampf an oder forderten ihn selbst heraus. Andere wiederum forderten Xu heraus und machten schlussendlich doch einen Rückzieher, wenn Xu die Herausforderung annahm. Die Resultate der Kämpfe waren eindeutig, denn alle unterlagen Xu.

Eine Person trainiert Tai Chi in weißer chinesischer Kleidung. Man sieht seine Körpermitte und seine beiden Hände.
Tai Chi - Quelle: Bild von MichaelRaab auf Pixabay https://pixabay.com/de/photos/tai-chi-taiji-taijiquan-4011041/

Tai Chi Meister Ma Baoguo

Vergangenes Wochenende hat es erneut einen Zweikampf gegeben. Der Kampf fand zwischen dem 69 Jahre alten Tai Chi Meister Ma Baoguo und einem wesentlich jüngeren Amateurkämpfer in Shandong statt. Auslöser für den Kampf war Ma Baoguo selbst, um seine Kunst zu beweisen und zu verteidigen. Zuvor sorgte er über die sozialen Medien als selbsternannter Tai Chi Meister für Aufmerksamkeit. So bezeichnete er die chinesische UFC Kämpferin Zhang Weili als „dumm“ und unfähige Kämpferin, die er in einem Kampf besiegen könne. Gleichzeitig forderte er sie zu einem Kampf aufforderte.

Ein Kampf mit schnellem Ende

Ma behauptet von sich selbst, dass er Meister des Hunyuan Tai Chi sei. Vergangenes Wochenende bekam Ma Baoguo mit seinem ersten offiziellen Wettkampf die Chance, sich zu beweisen und zu zeigen, dass sein Tai Chi kein „Fake“-Kungfu ist. Der Kampf endete allerdings in einem peinlichen Knockout nach nur 30 Sekunden. Sein Gegner war der 49 jährige Wang Qingming, ein ehemaliger Kampfsportlehrer und Amateurkampfsportler aus dem chinesischen Sanda und Kickboxen. Ursprünglich sollte Ma gegen Li Xianchun kämpfen, der ebenfalls Taichi praktiziert. Li bestand allerdings den medizinischen Test nicht und wurde daher durch Wang ersetzt.

 

 

In dem Video des Kampfes wird schnell deutlich, dass Ma nicht für den Ring geeignet ist. Bevor er endgültig zu Boden ging und liegen blieb kassierte Ma zwei rechte Geraden von Wang, die ihn bereits auf die Bretter beförderten. In der dreißigsten Sekunde dann beendete Wang den Kampf mit einer weiteren Rechten. Erneut ging damit ein Verfechter traditioneller Kampfkünste K.O. und sein Tai Chi wurde folglich als nutzlos und „Fake“-Kungfu deklariert. Im Internet wurden die Stimmen der User sozialer Plattformen sofort laut und bezeichneten den Kampf als ungleiche Auseinandersetzung.  

Ma „besiegt“ MMA Kämpfer Peter Irving

Vor knapp drei Jahren veröffentlichte Ma Baoguo ein Video im Internet, in dem er gegen den britischen MMA-Kämpfer Peter Irving kämpft. Er demonstriert sein Tai Chi und behauptet mit dem Videomaterial, dass er Irving in dem Kampf besiegt habe. Peter Irving reagierte auf den Post umgehend und sagte, dass er als „Darsteller“ für ein Videoprojekt von Ma Baoguo engagiert worden sei. Vermutlich wollte Ma mit dem Video auf die Debatte reagieren, in der MMA mit den traditionellen Kampfkünsten Chinas verglichen wird.

 

 

Interessant ist, dass Ma Baoguo bereits im Juni 2017 gegen Xu Xiaodong antreten wollte. Der Kampf wurde allerdings vorzeitig abgebrochen. Ma Baoguos Neffe zeigte den Kampf bei den Behörden an, die diesen umgehend unterbanden.

Ein wenig sinnvoller Vergleich

Wer einen gesunden Menschenverstand besitzt und Ahnung von fairen Wettkämpfen im Kampfsport hat weiß, dass diese Debatte erstens sinnlos ist und diese Art von Vergleichskämpfen nicht repräsentativ sind. Denn nicht nur die vom Athleten praktizierte Kampfkunst ist ausschlaggebend den Erfolg in einem Kampf, sondern auch die Konstitution der Kämpfer. Dabei spielen diverse Faktoren wie Alter, Gewicht und gesundheitlicher Zustand eine Rolle wie auch der Aspekt der Erfahrung. Des Weiteren muss man sich die Frage stellen, ob überhaupt die Notwendigkeit besteht, eine Kampfkunst oder einen Kampfsport als das effektivste System zu bezeichnen. Schlussendlich kommt es auf das Verständnis des Kämpfers an, wie er sein System anwenden kann und ob das System überhaupt für eine reale Auseinandersetzung konzipiert und vom Athleten mit diesem Ziel trainiert wurde. Wie dem auch sei, für ein Knockout Compilation eignen sich die Videos auf jeden Fall hervorragend.  

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