Karate Combat – Interessantes Kampfsport-Entertainment

Silhouette einer Frau vor einem Sonnenuntergang, die einen Karateschlag ausführt.
Karate vor Sonnenuntergang - Quelle: Photo by svklimkin on Unsplash

Karate Combat – Karate fürs Fernsehen

Wer Karate Combat das erste Mal sieht, dem wird sehr schnell die Inszenierung auffallen. Zuschauer haben das Gefühl, sich eine Szene aus einem Actionfilm anzugucken, bei dem es um Untergrundkämpfe geht. Zwei Karateka begegnen sich nicht wie gewohnt in einem Ring oder auf einer Wettkampffläche, sondern in einem Pit. Der Pit umfasst eine Fläche von 6,5 mal 6,5 Metern und ist über 1,5 Meter hohe Seiten zu betreten, die nicht gerade aufragen, sondern eine Steigung von 45 Grad aufweisen.

 

 

Statt dem sonst obligatorischen Karate-Gi tragen die Kämpfer nur die Hose und den Gürtel. Der Oberkörper ist komplett frei, was für Karatewettkämpfe sonst untypisch ist. Vermutlich soll das für einen Bad-Ass-Charakter und somit mehr Publikum sorgen. Das Besondere an den Kämpfen ist die bereits angesprochene Inszenierung, die die Produzenten durch interessante Kamerafahrten und –perspektiven erreichen. Folglich entsteht viel mehr der Eindruck einer Action-Produktion denn einer Wettkampfübertragung. 

Karateka im Seiza am Strand bei Sonnenaufgang.
Karate - Eine eher traditionsbewusste Kampfkunst - Quelle: Photo by Thao Le Hoang on Unsplash

Die Regeln

Turnierkämpfe im Karate Combat verlaufen über drei Runden, die jeweils drei Minuten dauern. Zwischen den Runden haben die Kämpfer jeweils eine Minute Zeit, sich zu erholen. Clinchen ist insofern erlaubt, wenn unmittelbar darauf ein Wurf erfolgt. Anders als beim Kyokushin Karate und MMA sind Lowkicks verboten. Dafür sind Techniken in einem Zeitraum von fünf Sekunden erlaubt, sobald der Gegner zu Boden gegangen ist. Diese beschränken sich aber nur auf Fausttechniken. Des Weiteren sind Double Leg Takedowns verboten sowie Angriffe gegen die Wirbelsäule, den Genitalbereich und Hinterkopf. Die Kämpfer tragen fingerfreie Boxhandschuhe.

 

 

Das Regelwerk sorgt für sehr dynamische Kämpfe mit blitzschnellen Techniken, da den Kämpfern nur karatetypische gerade Schläge erlaubt sind. Das sorgt aber dafür, dass die Athleten bemüht sind, ihre Distanz zum Gegner in rasanter Geschwindigkeit zu überbücken. Das ist ein großer Unterschied zum Kyokushin Karate, bei dem die Kämpfer eher auf kurze Distanz mit Haken zum Körper kämpfen. Karate Combat bietet darüber hinaus den Vorteil, dass sich Karateka aus allen Stilrichtungen miteinander messen können. Somit sind auch Kämpfer aus dem Point Fighting und Shotokan Karate mit dabei. 

Mainstream etablierte Vollkontaktliga

Karate Combat wurde im April 2018 gegründet und ist die erste Mainstream etablierte, professionelle Vollkontaktliga. So heißt es zumindest auf der Seite von 7Sports, die einen Exklusivvertrag mit Karate Combat unterzeichneten. Doch was genau heißt Mainstream Vollkontaktliga? Sind K1, die UFC oder ONE Championship keine Mainstream Vollkontaktligen und wie schlägt sich Karate Combat neben diesen drei Größen? Gut, seitdem der MMA Sport so populär geworden ist, musste das sonst sehr unterhaltsame Format K1 leider auch stark in den Schatten rücken. Also besteht das Unterfangen eher darin, ein Entertainment-Format aufzubauen, das sich mit der Plattform MMA messen kann.

 

2019 fanden Turniere in den Ländern Japan, China, Brasilien, Spanien, Frankreich, Italien, Lettland und den USA statt. Doch trotz der Größe dieses Formats scheint Karate Combat noch nicht sehr bekannt zu sein. Schaut man sich Forum-Diskussionen an, fällt das Format zwar auf und wird positiv besprochen, doch tendieren die meisten User dann doch zum MMA. Viele scheinen sich am beschränkten Regelwerk zu stören und erfreuen sich den Freiheiten, die das MMA bietet. Vielleicht liegt es auch daran, dass die MMA-Kämpfer bekannter sind, als die Karate Combat-Teilnehmer. 

Fazit

Karate Combat ist neben Kyokushin Karate die zweite Form des Vollkontaktkarate. Karateka aus verschiedenen Stilrichtungen dürfen gegeneinander antreten. Das Regelwerk sorgt für dynamische Kämpfe und die Inszenierung für gutes Actionentertainment. Zuschauer dürften sich schnell an Szenarien à la Street Fighter oder Leon mit Jean Claude van Damme erinnert fühlen. Meiner Meinung nach handelt es sich wettkampftechnisch um ein sehr interessantes Konzept, dass dem vielleicht angestaubten Karate neues Leben einhaucht und es wieder populärer machen könnte. Auf jeden Fall handelt es sich um spannende Kämpfe, die vor allem Karatesportlern zusagen sollte. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0